(Claudia Rusch) Kaukasusblog XV: Wohin man sich wagt. Für Zura

Mit meinem nationalitäts- und hintergrundtechnisch generalüberholten Lascha im Gepäck, der mich und ein paar Pfund sagenhaft gutes Swanuri Marili (nach welchem schon jetzt der gesamte Kofferinhalt riecht) Samstagmorgen um 04.35 Uhr im Flugzeug in Richtung Berlin begleiten wird, verabschiede ich mich.

Ich habe hier im Kaukasus viel mehr gefunden als ich gehofft hatte.
Ich habe in allen drei Ländern dutzendweise bemerkenswerte Menschen getroffen, neue Freunde gewonnen und so viel herzliche Einladungen bekommen, dass ich über Jahre hinweg ausgebucht bin. Ich habe viel gelernt, war oft verblüfft und manchmal zu Tränen gerührt. Ich konnte überraschend kreativ sein (damit meine ich nicht den Blog), wurde immer wieder aufs Erstaunlichste inspiriert und war die ganze Zeit voller Glück. Weiterlesen

(Claudia Rusch) Kaukasusblog XIV: Lascha statt Sascha

Ich hab’s schon mal erwähnt (siehe: Kaukasusblog VI): ich arbeite an einem neuen Roman. Ich werde jetzt keine Details verraten (das Netz steckt voller Spione, huuu): aber es geht oberflächlich um eine Dreiecksbeziehung, unterschwellig um Liebe und eigentlich um Freiheit. „Grenzen“, sagt Ana: „Du und Tamta, ihr schreibt beide über Grenzen. Das passt gut.“
Interessanter Einwand. Ich würde sagen, das wiederkehrende Thema aller meiner Bücher ist die Freiheit. Aber Freiheit und die Überwindung von oder auch das Scheitern an Grenzen sind natürlich eng miteinander verbunden. Räumlich und thematisch. Vielleicht liegt der Unterschied am Ende ja nur in der Blickrichtung… Weiterlesen

(Claudia Rusch) Kaukasusblog XIII: Wer sagt’s denn!

HA!
Gestern beschrieene Wetterverantwortliche Tbilissi und Umgebung Herbst 2016 scheint mein kleiner Unmutsausbruch offenbar doch ein wenig bewegt zu haben (war’s der Anschiss oder der Trotz?).
Denn DAS war der Blick, der mich eben beim Aufwachen vom Bett aus erwartete. Tadaaaaa.
Sonne!
Blauer Himmel!
Licht über Tbilissi!
Ich konnte es kaum glauben.
Es bleibt also für Natias Schwiegermutter bei einem verschneiten Tbilisser Geburtstag pro 89 Jahre.
Und ich hab vor dem Heimflug doch noch zwei Tage Traumwetter.
DANKE!

(Claudia Rusch) Kaukasusblog XII: 28 Grad Celsius und strahlender Sonnenschein…

Jaja, schaut genau hin. GANZ GENAU!
Richtig: Das, was da rechts in der Ferne hinter meinem verbitterten Antlitz weiß leuchtet, ist Schnee. Und kein ewiger, nein, FRISCH GEFALLENER SCHNEE!!! In Tbilissi im Oktober. Samma, habta se noch alle?! Jeht’s noch DA OBEN oda muss ick schon helfen?!!?

Man hatte mir einen Tbilisser Oktober versprochen. Golden. Hell. Warm. Picknick, Parks und von Weinreben überwachsene Terrassen. Es ist wunderbar im Frühherbst, hieß es. Unsere schönste Jahreszeit. Noch angenehm sommerlich, aber nicht mehr heiß (nur zum Verständnis: im Juli/August können hier locker mal über 40 Grad werden). Rechne mit ungefähr 25 bis 28 Grad Celsius. Weiterlesen

(Claudia Rusch) Kaukasusblog XI: Gori

Nach der ganzen Schwärmerei ist es vielleicht angebracht, auch mal was Kritisches zu posten. Überprüfung der eigenen Wahrnehmung, Perspektivwechsel und so.
Doch, doch, Georgien hat auch Schattenseiten. Bisher kann ich für mindestens drei meine Hand ins Feuer legen.

1.     Verkehrslage
(Autofahrer, Staus, fehlende Ampeln, Öffentlicher Nahverkehr, Marschrutkas, Taxis – alles ahhhhhh)

2.      Bürgersteige
(so sicher die Wege im kriminalistischen Sinne – so lebensgefährlich ihr Zustand für Fußgänger)

3.      Gori

Gori ist keine bedeutende Stadt. Aber sie hat einen berühmten Sohn. 1878 wurde hier, gut 80 km nordwestlich von Tbilissi, in einer Schusterhütte Iosseb Bessarionis dse Dschugaschwili geboren. Die Weltgeschichte geprägt hat er unter seinem russifizierten nom de guerre Jossif Wissarionowitsch Stalin. Weiterlesen

(Claudia Rusch) Kaukasusblog X: Extragon

„Extragon“, sagt Maja und schaut mich an: „da ist ganz viel Extragon dran. Nimm das!“

Ich zögere, sie zu korrigieren. Denn zum einen klingt Extragon so schön vertraut familär als sei es von meiner wortspielverliebten Oma erfunden worden (die z.B. Wassermillionen aß und Sowjetten benutzte). Und zum anderen finde ich es generell ein bisschen anmaßend, jemanden wie Maja zu verbessern. Maja Badridse ist eine wundervolle, sehr kluge, witzige, geistreiche Frau mit leuchtend roten Locken und einem absolut ansteckenden, rauen Lachen. Sie ist Übersetzerin aus dem Deutschen ins Georgische und hat hierzulande unter anderem Broch, Musil und  C.G.Jung unter die Leute gebracht hat. Davor hab ich sehr viel Respekt. Ich sag’s dann aber doch und bestelle die Suppe. Welche uns direkt zum zweiten Platz der häufigst gestellten Fragen führt (das war ich ja noch schuldig): Essen. Weiterlesen

(Claudia Rusch) Kaukasusblog IX: RUSSGEORGARMEDSCHANISCH

Zwei Fragen werden mir von zu Hause am häufigsten gestellt. Erster Platz: Was sprechen die Leute dort für eine Sprache? / Reden die Russisch oder Kaukasisch? / Wie unterhältst du dich da?

Selbst meine vorbereiteten Eltern waren nicht ganz sicher, ob die Region nicht „doch mal zu Russland“ gehörte und eine waschechte Ostberliner Freundin hat sich gar stoisch geweigert anzuerkennen, dass Sowjetrepublik nicht Russland bedeutet (außer natürlich im Fall der RSFSR).

Folgende Diskussion:

Wohin inne Russerei fliegste nochma?
Nach Georgien, das liegt im Kaukasus. Ist nicht russisch.
Aha. Jehörte aba zur SU, oda nich?
Ja, ja.
Also doch Russland.
Nein, erst Zarenreich, dann Sowjetunion, aber immer Georgien.
Sa‘ ick doch: Russland! Weiterlesen