(Gregor Sander) Sonntag, 25.9.16

Weißrussland? Da ist doch noch richtig Diktatur! So oder so ähnlich hat jeder reagiert, dem ich von meiner Reise erzählt habe. Mehr kam nicht. Keine Tipps, keine Wünsche. Nichts. Und wie habe ich mir Weißrussland vorgestellt? Eigentlich gar nicht. Kaum ein Bild. Bisschen Russland, bisschen Polen. Beides vor zwanzig Jahren. Vielleicht sogar so wie diese Bahnhofsunterführung, in der ich jetzt nach meinem Gleis suche. Es ist dunkel, dreckig und es riecht nicht gut. Der Bildschirm, auf dem die Abfahrtszeiten und die Gleise stehen, blinkt nervös und die Uhrzeit ist eine Stunde vorgestellt. Warum auch immer. Trotzdem finde ich meinen Zug darauf, aber es ist der Einzige, hinter dem kein Gleis steht. Was also tun? Es gibt hier etwa acht Bahnsteige. Abfahrtszeit in drei Minuten. Ich renne eine Treppe hoch. Da steht ein Zug, aber er ist zu weit weg um zu erkennen, wohin er fährt. Als ich dort bin, sehe ich, dass es der Falsche ist. Am Nachbargleis fährt gerade mein Zug ab. Ich motze die Bahnangestellte an, die das alles merklich nicht interessiert. Aber das ist der Bahnhof Berlin-Lichtenberg. Dank eines freundlichen Taxifahrers schaffe ich meinen Flug nach Minsk trotzdem. Ich nehme mir möglichst große Unvoreingenommenheit vor.

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