(Claudia Rusch) Kaukasusblog XII: 28 Grad Celsius und strahlender Sonnenschein…

Jaja, schaut genau hin. GANZ GENAU!
Richtig: Das, was da rechts in der Ferne hinter meinem verbitterten Antlitz weiß leuchtet, ist Schnee. Und kein ewiger, nein, FRISCH GEFALLENER SCHNEE!!! In Tbilissi im Oktober. Samma, habta se noch alle?! Jeht’s noch DA OBEN oda muss ick schon helfen?!!?

Man hatte mir einen Tbilisser Oktober versprochen. Golden. Hell. Warm. Picknick, Parks und von Weinreben überwachsene Terrassen. Es ist wunderbar im Frühherbst, hieß es. Unsere schönste Jahreszeit. Noch angenehm sommerlich, aber nicht mehr heiß (nur zum Verständnis: im Juli/August können hier locker mal über 40 Grad werden). Rechne mit ungefähr 25 bis 28 Grad Celsius.

Und ich hab damit gerechnet. Ich habe sogar sicherheitshalber noch 10 Grad abgezogen bei meiner Kleiderauswahl, weil man als Berlinerin ja notorisch skeptisch ist und hinter jeder Straßenlaterne eine unangemeldete Schlechtwetterfront wähnt.

Aber dann DAS.
Es regnet quasi seit Mitte Oktober Non-Stopp durch. Und stürmt. Mein Gott! Ich komm von der See, ich bin einiges an Beaufort gewöhnt, aber diese Kaukasuswinde sind nicht ohne. Und entsetzlich kalt. Wenn die um die Ecken der Altstadt pfeifen, hallelujah. Die absolute Krönung dann heute morgen das Flöckcheninferno. Hätte mir nicht vor zwei Wochen schon das halbe Goethe-Institut mit Jacken, warmen Westen und Regenschirmen ausgeholfen (Ihr seid die Besten!), ich wäre komplett aufgeschmissen gewesen.

Die Schwiegermutter der wunderbaren Natia aus der Kulturabteilung wird morgen stattliche 89 Jahre alt. Mit Schnee. Sie schwört Stein und Bein (also genau das, was jetzt hier grade allen amtlich abfriert), sie hätte erst zweimal in ihrem langen Leben zum Geburtstag in Tbilissi Schnee gehabt. Zweimal. In 89 Jahren…
Mit anderen Worten: dieser Oktober ist ein Jahrhundertereignis! Ich sollte mich geehrt fühlen, dass ich das erleben durfte.
Aber mit der Ehre ist das ja immer so eine Sache. Ein bisschen mehr Sonne und vielleicht sogar ein paar winzige Hektoliter Regen weniger (pro Tag und Quadratmeter) wären auch nett gewesen. Hätt ich glatt gegen die Ehre getauscht. Nur mich fraacht ja ma wieda keena.

Zusammenfassend möchte ich den Wetterverantwortlichen Tbilissi und Umgebung Herbst 2016 zurufen: Dit könnta schon so machen, aber dann isses halt Kacke! – Doch wenn Ihr glaubt, ich ließe mich davon beeindrucken, irrt Ihr. Meine Begeisterung kennt keine Temperaturen. Und wenn Frau Holle explodiert! So leicht bin ich nicht von Tbilissi zu enttäuschen…

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