(Martin Schäuble) Bücher-Realitäten

Ende der Autorenresidenz – eine letzte Anekdote

„Gibt es im Hotel eine kleine Bibliothek?“, erkundige ich mich zwei Uhr nachts per Telefon an der Rezeption. Ich kann nicht schlafen und will etwas lesen. „Wie bitte?“, fragt die Rezeptionistin nach. Es ist ein riesiges Hotel voller Prunk und Glitzer in Sankt Petersburg. Von der Preisklasse eher ein Hotel für Digital-Manager als für Print-Autoren. Weiterlesen

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(Matthias Jügler) Nach Fergana

Nebeltag. 13:15 Uhr. Fahrt von Taschkent nach Fergana. Dass ich in einem Diplomatenfahrzeug sitze, ist Zufall und Glück. Acht Inlandsgrenzen erzählt die Fahrerin, gilt es zu überwinden. Man werde uns durchlassen, dem grünen Kennzeichen sei dank. Taschkenter Umland: Felder, Kanäle, schlammiges Wasser, ein paar Angler, daneben Rohre, die aus den Fabriken kommen, die Abwasser bringen, Schwermetalle, anderes. Ob die Angler wissen, was sie da essten, mein erster Gedanke. Der zweite: Lieber Gift auf dem Teller als gar nichts. Auf den Feldern ringsum, auf der Straße sogar, sodass wir einen kleinen Slalom um die Herde einlegen: überall Hirten; sitzen, schauen, rufen, kein Tier verlieren. Weiterlesen

(Martin Schäuble) Bücherwelten …

… und unser Wettbewerb

Irina liest, wie sie uns schreibt, weil ein Roman auch ein Lebensratgeber sein kann. „Bücher sind Türen zu anderen Welten und anderen Realitäten“, teilte uns hingegen Katharina mit. Nachdem wir uns wochenlang mit Autoren und Büchern auseinandergesetzt haben, stellten wir den Blog-Leserinnen und -Lesern endlich die Frage aller Fragen: Warum lesen Sie Romane? Und Katharinas Kommentar steht für viele Einsendungen. Weiterlesen

(Martin Schäuble) Wieso wir gegen Tabus sind

Julia Kusnetzova und Martin Schäuble im Gespräch

Julia und ich lachten viel bei unserem über zweistündigen Gespräch, doch das Filmteam ermahnte uns. Wir sollten doch bitte ernsthaft diskutieren. Offenbar müssen Autorengespräche humorlos sein. „Wir können auch über ernste Themen mit einem Lächeln sprechen“, erklärten wir. Chancenlos. Im Film daher: sehr ernste Minuten unseres Treffens. Wir schreiben beide auch über ernste Themen. Weiterlesen

(Martin Schäuble) Bücherbalance

Und: ein neuer Wettbewerb

„Was denken die Deutschen über Merkel?“ – „Ist es in Russland nicht viel sicherer als in Deutschland?“ – „Was denken die Deutschen über die vielen Flüchtlinge?“… Auf unseren Veranstaltungen wird im sibirischen Omsk engagiert über deutsche Literatur, über russische Literaten und meine Bücher gesprochen. Doch es sind die politischen Fragen, die überwiegen, wenn Journalisten mich befragen. Wenn der offizielle Teil einer Veranstaltung vorbei ist und ich als Deutscher befragt werde, der nun zu Gast ist. Das lernte ich auch schon an anderen Leseorten. Weiterlesen

(Martin Schäuble) Bücherbären

Was macht man, wenn man beim Zelten einem Braunbären begegnet? Wegrennen? Stehen bleiben? Schreien? Schweigen? Evgeny Rudaschevski tat etwas anderes. Er packte erst einmal seine Kamera aus und drückte auf den Auslöser. Schließlich, so dachte er sich vermutlich, begegnet man so einem interessanten Tier nicht jeden Tag.

Ich schaue mir das eingerahmte Foto in seiner Wohnung an. Der Moskauer Schriftsteller kennt sich mit Tieren aus. Er arbeitete früher als Tiertrainer. In einem Roman spielt ein Delfin eine Hauptrolle. Gerade hat er eine Geschichte zu Ende geschrieben, in der es um Seehunde geht. Nicht nur. Sondern auch. Vielmehr wird das Leben von jungen Leuten im fernen Irkutsk beschrieben, ein Leben zwischen Tradition und Moderne. Weiterlesen